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Methode Rainer Werner Fassbinder

Eine Retrospektive

10. September 2021 bis 6. März 2022

Rainer Werner Fassbinder war Regisseur, Filmproduzent, Schauspieler und Autor. Als einem der wichtigen Vertreter des Neuen Deutschen Films, gelang ihm in seinem Werk die Synthese aus radikaler Subjektivität und gesellschaftlicher Analyse. Wie kaum ein anderer Künstler hat er dadurch ein zeitgenössisches Spiegelbild der Bundesrepublik Deutschland geschaffen. In seinen Filmen ging es Fassbinder immer darum, das Allgemeine durch das Besondere aufzuzeigen: „Gerade weil sie so spezifisch und national sind und weil sie versuchen, das Land zu beschreiben, in dem sie gemacht werden, in dem ich lebe, sagen sie auch etwas über Demokratien ganz allgemein.“ Die kontroverse Diskussion über sein Werk und seine Person schon zu Lebzeiten gehört dazu. Seine Exponiertheit, seine kreative Unangepasstheit und künstlerische Radikalität führten zu inzwischen legendären Filmen, Fernseh- und Theaterstücken, die sich ins kollektive Bildgedächtnis eingeschrieben haben.

«Alles Vernünftige interessiert mich nicht.» Wolfgang Limmer/Fritz Rumler, »Alles Vernünftige interessiert mich nicht« (1980), in: Robert Fischer (Hg.), Fassbinder über Fassbinder. Die ungekürzten Interviews, Frankfurt: Verlag der Autoren, 2004, S. 493.

Fassbinder lebte und forderte Intensität. Seine manchmal sperrige, kritische Haltung, gleichzeitig liebevolle Darstellung und Zeichnung der Menschen war ohne Unterscheidung ihrer jeweiligen Milieus von respektvoller und beispielloser Konsequenz. Seine Bildsprache changiert von Beginn an virtuos zwischen Theater, Film/Fernsehen und Zeitdokument.
Das Ausnahmetalent Fassbinder, der 1982 mit nur 37 Jahren starb, hat in den wenigen Jahren seit 1966 45 Filme wie ANGST ESSEN SEELE AUF oder DIE EHE DER MARIA BRAUN gedreht, inklusive mehrteiliger Fernsehproduktionen, wie ACHT STUNDEN SIND KEIN TAG oder BERLIN ALEXANDERPLATZ. Er hat 26 Filme selbst oder co-produziert, ist in 21 Filmen anderer Regisseure sowie in 19 eigenen als Darsteller bzw. Gast aufgetreten; er hat 14 Theaterstücke geschrieben, 6 neu bearbeitet und 25 inszeniert. Und er hat 4 Hörspiele und 37 Drehbücher verfasst sowie an 13 Drehbüchern mit anderen Autoren zusammengearbeitet.

In der retrospektiven, chronologisch orientierten Ausstellung wird Fassbinders Œuvre als beispielloses Gesellschaftsdokument in Kombination mit Archivmaterial präsentiert. Das System der Film-, Fernseh- und Theaterproduktion der 1960er bis 1980er Jahre wird an seinem vielschichtigen Weg ablesbar; durch seine Werke findet eine neue Qualität Einzug in die öffentlichen Produktionen.
Desweiteren soll seine Biografie und sein Werk mit dem gesamtgesellschaftlichen System der Bundesrepublik Deutschland – als Spiegel dessen – verwoben werden: Exponate, Zitate, Fotografien und Grafiken ermöglichen eine Kontextualisierung. Fassbinder, am 31. Mai 1945 – direkt nach der deutschen Kapitulation – geboren, erlebte unmittelbar die emotionalen und faktischen Auswirkungen der Nachkriegszeit; sie fließen später direkt und indirekt in sein Bildwerk ein. In seinen Filmen, besonders der sogenannten BRD-Trilogie, versuchte Fassbinder als Seismograph die gesellschaftlichen Tendenzen zu erfassen und offenzulegen. Mit DEUTSCHLAND IM HERBST und DIE DRITTE GENERATION setzte er sich explizit mit dem Deutschen Herbst und der RAF auseinander. Mit FONTANE EFFI BRIEST geht Fassbinders Rückschau in die wilhelminische Zeit. Das Bürgertum und seine erstarkenden und starren Sozialnormen wären auch in SOLL UND HABEN nach Gustav Freytag behandelt worden – eins von vielen Projekten, die im Laufe von Fassbinders kurzer Schaffenszeit nicht mehr realisiert wurden. Zuletzt arbeitete er an einer Biografie über Rosa Luxemburg – eine Arbeit, die sein unerwartet früher Tod 1982 beendete.

Auch das erweiterte, familiäre System seines ‚Kollektivs‘ spielt eine Rolle in der Ausstellung. Die ‚Familienbildung‘ hatte Methode, und Künstler*innen wie Harry Baer, Ingrid Caven, Irm Hermann, Peer Raben, Hanna Schygulla oder Kurt Raab begleiteten ihn fast seine gesamte Schaffenszeit – dies wird eine weitere Linie in der Ausstellung bilden. Beleuchtet werden ebenfalls filmische, literarische und musikalische Vorbilder und Quellen, die Fassbinder stark prägten und deren Einflüsse sein Werk durchziehen.

Das Ziel der Ausstellung ist es, auf eine Spurensuche zu gehen und Fassbinder auch einem breiteren Publikum in all seinen Facetten vorzustellen – untrennbar verbunden mit der deutschen Kultur, Gesellschaft und Politik. In allen Werken wird dem Betrachter subtil oder ganz offensichtlich der Spiegel vor Augen gehalten. „Alles Vernünftige interessiert mich nicht“ sagt er 1980 und so sind viele seiner Bilder und Themen, wie Antisemitismus, Migration oder Rollenklischees und Queerness radikal, innovativ, ungewöhnlich und bahnbrechend. Sie wurden zu ihrer Zeit teilweise von großer Kritik begleitet, finden aber bis heute ungebrochen ihren Wiederhall. Auch zutiefst ehrliche, zwischenmenschliche Handlungen und soziale Gefüge wurden von ihm in großer Intensität als Abbilder der Gesellschaft visualisiert, so war es für ihn „… immer wichtig, Filme zu drehen über Menschen und deren Verhältnis zueinander, deren Abhängigkeit voneinander und von der Gesellschaft.“ All das macht sein Werk so nah, aktuell, relevant und unvergessen. Sein Werk zu verstehen, bedeutet sich und andere zu verstehen und zu tolerieren.

Die multimediale Ausstellung wird von einem umfangreichen Filmprogramm on- und offline begleitet.

Eine Ausstellung der Bundeskunsthalle, Bonn, in Zusammenarbeit mit dem DFF – Deutsches Filminstitut & Filmmuseum, Frankfurt am Main, und der Rainer Werner Fassbinder Foundation, Berlin

#MethodeFassbindertwitter | facebook | instagram

Eintritt und Tickets im Vorverkauf

HINWEIS
Am Sonntag, 26. September 2021, gilt für alle Ausstellungsbesucher*innen die 3G-Regel. Einlass nur mit Geimpften-/Genesenen-Nachweis oder mit negativem Corona-Test.

Ohne Stopp an der Kasse direkt in die Ausstellung:
Print@home-Zeitfenster-Tickets

10 €/ermäßigt 6,50 €

Eintritt frei bis einschließlich 18 Jahre
Happy-Hour-Ticket: 7 € für alle Ausstellungen (jeweils 2 Std. vor Schließung, nur für Individualbesucher).
Es werden auch Kombikarten zum Besuch aller zeitgleich in der Bundeskunsthalle stattfindenden Ausstellungen angeboten. Weitere Informationen zu den Eintrittspreisen

Literatur zur Ausstellung in der Bibliothek

Quellennachweise anzeigen
Abbildungen
  1. Rainer Werner Fassbinder mit Kameramann Michael Ballhaus bei den Dreharbeiten zu WARNUNG VOR EINER HEILIGEN NUTTE, BRD 1970/71 © DFF – Deutsches Filminstitut & Filmmuseum, Frankfurt am Main / Sammlung Peter Gauhe, Foto: Peter Gauhe Rainer Werner Fassbinder bei Dreharbeiten.
  2. El Hedi Ben Salem in ANGST ESSEN SEELE AUF, 1974 © Rainer Werner Fassbinder Foundation Filmstill "Angst essen Seele auf": Mann auf Sofa sitzend
  3. Rainer Werner Fassbinder und Hanna Schygulla während der Dreharbeiten zu NIKLASHAUSER FART, BRD 1970 © DFF – Deutsches Filminstitut & Filmmuseum, Frankfurt am Main / Sammlung Peter Gauhe. Foto: Peter Gauhe Gruppenfoto: Rainer Werner Fassbinder und Hanna Schygulla u. a. bei  NIKLASHAUSER FART, BRD 1970
  4. Rainer Werner Fassbinder bei Dreharbeiten zu HÄNDLER DER VIER JAHRESZEITEN, BRD 1971 © DFF – Deutsches Filminstitut & Filmmuseum, Frankfurt am Main / Sammlung Peter Gauhe. Foto: Peter Gauhe Rainer Werner Fassbinder hinter der Kamera zu HÄNDLER DER VIER JAHRESZEITEN, BRD 1971
  5. Archivboxen im Schriftgutarchiv des DFF Fassbinder Centers, Frankfurt am Main. © DFF – Deutsches Filminstitut & Filmmuseum, Frankfurt am Main. Foto: Norbert Miguletz Archivboxen im Schriftgutarchiv des DFF Fassbinder Centers,
  6. Fassbinders Drehbuch zu LILI MARLEEN © DFF – Deutsches Filminstitut & Filmmuseum, Frankfurt am Main / Fassbinder-Handschriften-Archiv © Juliane Maria Lorenz-Wehling / Rainer Werner Fassbinder Foundation Skizzenbuch: Fassbinders Drehbuch zu LILI MARLEEN.
  7. LOLA. Barbara Sukowa © DFF – Deutsches Filminstitut & Filmmuseum, Frankfurt am Main / Nachlass Karl-Heinz Vogelmann. Foto: Karl-Heinz Vogelmann Filmstill: Barbara Sukowa als LOLA

Kunst- und Ausstellungshalle der Bundesrepublik Deutschland

Museumsmeile Bonn
Helmut-Kohl-Allee 4
53113 Bonn
T +49 228 9171–200

Öffnungszeiten

Montags geschlossen
Dienstag und Mittwoch, 10 bis 21 Uhr
Donnerstag bis Sonntag, 10 bis 19 Uhr
(und an allen Feiertagen, auch denen,
die auf einen Montag fallen)